Eltern schenken das Leben

Spätestens in der Pubertät fangen die meisten Kinder an, Fehler an ihren Eltern zu suchen und durch ablehnendes Verhalten Kritik zu äußern. Sie brauchen diese Phase, um eigenständig zu werden. Das glaubt man zumindest in den Industrieländern. Interessanterweise gibt es dieses Phänomen in anderen Kulturen östlicher Länder nur selten. Dort ist es nicht etabliert, den eigenen Eltern Vorwürfe zu machen und sich von ihnen zu distanzieren. Dort ist man seinen Eltern in erster Linie dankbar, dass sie da sind, dass sie alles tun, um der Familie zu dienen, dass sie einem das Leben schenkten.

Natürlich muss keiner jedes Verhalten der Eltern toll finden.

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Unbeschreibliches Gefühl

Ich hatte mit meiner zweijährigen Tochter Freunde besucht. Abends um kurz vor acht verabschiedete ich mich und ging mit ihr zur Bahn, um nach Hause zu fahren. Ich sagte ihr, dass sie in der Bahn schon schlafen könne. Sie bejahte diesen Plan, indem sie antwortete „Bahn schlafen“.

Wir mussten noch einige Minuten auf dem Bahnsteig warten. An einer Bank angekommen, kletterte sie seitlich auf meinen Schoß, lehnte sich gegen mich und schaute über die Wiese vor den Gleisen.

Es war ein Moment völliger Stille. Voller Frieden. Voller Vertrauen.
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„Bei wem möchtest du leben?“

Wenn sich Eltern trennen, stellt sich meist die Frage, wo das Kind leben möchte. Tatsächlich gibt es viele Eltern, die aus „Gerechtigkeit“ ihr Kind entscheiden lassen, wo es leben möchte.

Ein Kind kommt zur Hälfte vom Vater und zur Hälfte von der Mutter. Es gehört zu beiden in gleichem Maß. Und es liebt beide in gleichem Maße! Eine Entscheidung für den einen und gegen den anderen ist für ein Kind unmöglich, ohne sich selbst innerlich zu schaden. Es überfordert ein Kind, egal welchen Alters.
Entscheidet sich das Kind, beim Vater zu leben, verliert es ein Stück der Mutter. Und entscheidet es sich für die Mutter, verliert es ein Stück des Vaters. Es zerreißt das Kind.
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Kinder haben ein Recht auf beide Eltern

Für die Erwachsenen existieren in einer Familie mit Kindern zwei Ebenen: die Paarebene und die Elternebene. Während sich die Paarebene ändern kann, bleibt die Elternebene ein Leben lang bestehen.

Wenn sich ein Paar trennt, sieht sich meist der eine verlassen und der andere als Gehender. Das ist mit vielen Verletzungen verbunden, die sich in Trauer und Wut ausdrücken. Um dem anderen den eigenen Schmerz deutlich zu machen, eignen sich die Kinder gut als Waffe. Viele verweigern dem anderen Elternteil den Kontakt zum Kind oder machen den anderen beim Kind schlecht. Durch Zorn und Schuldzuweisungen kann man die eigene Trauer leichter ertragen. Doch wen trifft man letztendlich damit?

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Geschwisterreihe

Wir bekommen es in Filmen und der Werbung vorgemacht: Kinder wollen gleich behandelt werden. Wenn der eine etwas bekommt, will und bekommt es der andere auch. Das Stichwort heißt „Gerechtigkeit“! Aus systemischer Sicht gestaltet sich dies jedoch anders.

Ebenso wie es eine natürliche Ungleichheit zwischen Eltern und Kindern gibt, sind auch Geschwisterkinder ungleich. Sie sind alle gleichwertig, doch unterliegen einer natürlichen zeitlichen Reihenfolge.
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Ergänzung der Reihe „Innere Größe“

Aus gegebenem Anlass möchte ich den Leitartikel Innere Größe um einige Sätze ergänzen.

Ich erhielt eine Rückmeldung eines Lesers, dass man nicht alle Entscheidungen der Eltern mit dem Satz „Eltern sind die Großen, Kinder die Kleinen“ gutheißen könne. Der Leser hob hervor, dass es sehr wichtig sei, Entscheidungen und Meinungen zu begründen und nicht einfach durchzusetzen. Seiner Meinung nach seien Kommunikation, klare Regeln und nachvollziehbare Konsequenzen wichtig.

Darauf möchte ich kurz eingehen:

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Die natürliche Ungleichheit

Heutzutage wollen wir unsere Kinder als gleichberechtigte Partner betrachten und erziehen. Sie sollen bei allem Mitspracherecht haben. Doch sind wir dann ehrlich mit ihnen?
Was unterscheidet die Eltern von den Kindern?
Wir schenkten ihnen das Leben. Ohne Eltern keine Kinder. Das Leben des Kindes ist dadurch jedoch nicht das Eigentum der Eltern. Allein die Weitergabe des Lebens macht eine Frau zur Mutter und einen Mann zum Vater. Dafür müssen sie nicht besonders klug sein, kein besonderes Einkommen haben und sich auch nicht anstrengen. Was auch immer sie für Menschen sind, sie sind Eltern und geben das ihnen Bestmögliche. In ihrem Leben können sie keinen größeren Wert erschaffen. Sie werden nicht erst Eltern, indem sie ihrer Umwelt beweisen, dass sie als Mutter und Vater taugen. Das wirklich Wesentliche ist bereits geschehen.

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Innere Größe

Ich sitze in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Eine Mutter steht mir gegenüber. Im Kinderwagen ihr ca. drei Jahre alter Sohn. Er schreit, möchte scheinbar einen Keks aus der Tasche der Mutter. Sie redet auf ihn ein, dass er doch schon Frühstück hatte und nicht so schreien solle. Ihre Worte zeigen keine Wirkung. Wütend wirft er sein Plastikauto auf den Boden. Eilig hebt die Mutter es auf und versucht, es ihm wieder in die Hand zu drücken. Nun beginnt er, sie zu schlagen. Sie guckt sich ängstlich um, kramt in ihrer Tasche und holt einen Keks heraus. Der Junge verstummt und ein triumphierendes Lächeln breitet sich über sein Gesicht aus.

Wer ist der Große und wer ist der Kleine?
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