Streichelüberfluss

Kinder verstehen es von Geburt an, die Befriedigung ihrer Bedürfnisse einzufordern. Erst durch Schreien und später immer differenzierter durch Gesten, Mimik und letztlich Sprache.

Der Psychologe Abraham Maslow befasste sich damit, wie wir Bedürfnisse wahrnehmen und fand heraus, dass sie einer Rangordnung entsprechend ihrer Dringlichkeit folgen, die sich als Pyramide darstellen lässt. Ist eine untere Ebene unbefriedigt, bestimmt sie unser Verhalten. An unterster Stelle finden sich unsere physiologischen Bedürfnisse Hunger, Durst und Sexualität. Erst danach treten komplexere Bedürfnisse, wie Sicherheit, Stabilität, Ordnung, Schutz, Freiheit von Angst und Chaos, Struktur, Ordnung und Gesetz auf. Sind diese Bedürfnisse befriedigt, wird uns das Bedürfnis nach Liebe, Selbstachtung und Selbstverwirklichung bewusst. Ist beispielsweise das Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität nicht befriedigt, können wir uns nur wenig mit der eigenen Selbstverwirklichung befassen.
Die Familie stellt dabei die Einheit dar, die die Bedürfnisse ihrer Mitglieder bestmöglich erfüllt. Je besser dies gelingt, desto stärker wächst sie zusammen. Hier lernen wir auch den Umgang mit und das Wahrnehmen (oder nicht Wahrnehmen) unserer Bedürfnisse. Weiterlesen

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Eure Kinder sind nicht eure Kinder

Zitat

Und eine Frau, die einen Säugling an der Brust hielt, sagte: „Sprich uns von den Kindern.”
Und er sagte:
„Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch;
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen.
Denn ihre Seelen wohnen im Hause von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit Seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein,
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt Er auch den Bogen, der fest ist.“

– Kahlil Gibran

Wachstum braucht Raum

Zitat

„Kinder mögen es sehr, wenn man sie in Ruhe lässt. Ihr Wachstum braucht Raum. Gewiss, die Eltern müssen wachsam und umsichtig sein, damit ihrem Kind nichts passiert. Doch das ist eine passive Art von Vorsicht, sie dürfen nicht aktiv eingreifen. Sie sollen dem Kind ein großes Verlangen mitgeben, nach der Wahrheit zu suchen, aber sie dürfen ihm keine Ideologie mitgeben, die ihm sagt, was Wahrheit ist. Sie dürfen es nicht über die Wahrheit belehren, sondern sollen ihm beibringen, wie es die Wahrheit suchen kann. Kinder sollten zum Forschen, zur Suche, zum Abenteuer erzogen werden.
Man sollte den Kindern helfen, die richtigen Fragen zu stellen, und die Eltern sollten diese Fragen nur dann beantworten, wenn sie wirklich Bescheid wissen. Und selbst dann sollten sie so antworten wie Gautam Buddha seinen Schülern zu antworten pflegte: ‚Glaubt nicht an das, was ich sage. Es ist zwar meine Erfahrung, aber sobald ich zu euch darüber spreche, wird sie unwahr, denn für euch ist es keine eigene Erfahrung. Hört mir zu, aber glaubt es nicht einfach. Experimentiert, stellt Nachforschungen an, sucht. Solange euer Wissen nicht aus eigener Erfahrung stammt, ist es nutzlos, ist es gefährlich. Geborgtes Wissen ist ein Hindernis.‘
Aber genau das tun die Eltern ständig: Sie konditionieren das Kind auf Schritt und Tritt. Weiterlesen

Die Privatheit des Kindes

Zitat

Das Kind braucht Privatheit, denn alles Schöne gedeiht nur so. Alles Schöne gedeiht nur im Privaten. Denkt daran: das ist eines der Grundgesetze des Lebens. Die Wurzeln wachsen unter der Erde. Wenn man sie aus der Erde herauszieht, sterben sie ab. Sie brauchen Abgeschiedenheit, völlige Abgeschiedenheit. Im Mutterleib wächst das Kind im Dunkeln heran, in Abgeschiedenheit. Würde man das Kind ans Licht bringen, in die Außenwelt, dann würde es sterben. Es braucht neun Monate lang völlige Abgeschiedenheit. Ein erwachsener Mensch braucht nicht so viel Abgeschiedenheit, eben weil er schon erwachsen ist. Ein Kind braucht viel mehr Privatheit. Aber man lässt es einfach nicht allein. […] Weiterlesen

Hochsensible Kinder

Ein plötzliches Geräusch erschreckt es. Starker Duft irritiert. Kommen Personen mit schlechter Stimmung in den Raum, fällt es ihm schwer, sich dieser Energie zu entziehen. Im Gespräch versucht es ständig, sich dem Gegenüber anzugleichen. Je näher es dessen Meinung ist, desto sicherer fühlt es sich. In großen Menschenmengen fühlt es sich beengt und unwohl. Gewaltszenen im Kino gehen ihm durch Mark und Bein. Manchmal denkt es tagelang über eine erlebte Situation nach, die andere schon lange vergessen hätten. Kommt die Oma zu Besuch verhält es sich ganz anders als allein zu Hause, um den Erwartungen und Wünschen der Oma zu entsprechen. In Gruppen versucht es stets, nicht anzuecken oder unangenehm aufzufallen.

Hochsensible Kinder. Es handelt sich dabei um ein verhältnismäßig neuen Begriff, den es als Phänomen vermutlich aber schon immer gab. 1996 wurde der Begriff erstmals von der amerikanischen Psychologin Elaine N. Aron verwendet. Doch bereits in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts umschrieb der Professor für Psychiatrie und Neurologie Ernst Kretschmer die Wesenszüge von Hochsensiblen, ohne den Begriff zu verwenden.
Dies sind Menschen, die sensibler und intensiver wahrnehmen. Sie nehmen Geräusche, Düfte, Stimmungen und andere Signale stärker wahr. Sie sind Reizen ungefiltert ausgesetzt, ohne gleich autistisch zu sein.

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Die Angst

Betrachten wir unser Kind stets nur mit den Augen der Angst, der Angst, was ihm zustoßen könnte, der Angst, ob es den zukünftigen Anforderungen an es gerecht wird, der Angst, es könnte sich überschätzen, reduzieren wir unser Kind auf das, was es nicht kann. Wir machen es klein. Wir machen es ängstlich.
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Die verborgene Liebe „schwieriger“ Kinder

Zitat

Was in Kindern über ihr Verhalten oft ans Licht kommt, auch wenn es bedrückend ist, erweist sich als etwas, was in dem System notwendig ist, das aber die anderen selbst anzuschauen sich weigern. Das Kind nimmt es für sie auf sich. Es blickt mit Liebe auf die Ausgeschlossenen. Hinter diesem Verhalten wirkt eine verborgene Liebe. Weiterlesen