Kinder haben ein Recht auf beide Eltern

Für die Erwachsenen existieren in einer Familie mit Kindern zwei Ebenen: die Paarebene und die Elternebene. Während sich die Paarebene ändern kann, bleibt die Elternebene ein Leben lang bestehen.

Wenn sich ein Paar trennt, sieht sich meist der eine verlassen und der andere als Gehender. Das ist mit vielen Verletzungen verbunden, die sich in Trauer und Wut ausdrücken. Um dem anderen den eigenen Schmerz deutlich zu machen, eignen sich die Kinder gut als Waffe. Viele verweigern dem anderen Elternteil den Kontakt zum Kind oder machen den anderen beim Kind schlecht. Durch Zorn und Schuldzuweisungen kann man die eigene Trauer leichter ertragen. Doch wen trifft man letztendlich damit?

Sicher schmerzt es den anderen Elternteil, seine Kinder nicht zu sehen. Meist bewirkt man damit aber nur, dass dieser sich mehr und mehr entfernt, den Unterhalt unregelmäßig zahlt und sich schließlich auch nicht mehr bemüht, die Kinder zu kontaktieren. Oder ein erbitterter jahrelanger Krieg um die Kinder bricht aus. Der eigentliche Schaden jedoch entsteht bei den Kindern. Wie ich im Artikel Vater und Kind schrieb, stellt sich meist früher oder später eines der Kinder auf die Seite des vermeintlich Schwächeren und beginnt einen Stellvertreterkampf für den ausgeschlossenen Elternteil. Ein Kind, das in solch einen Krieg verworren ist, kann sich nicht mehr seiner eigenen Zukunft widmen. Manchmal entwickelt es Störungen, Süchte oder fällt in Gruppen durch besondere Gleichgültigkeit oder Hyperaktivität auf. Andere entwickeln einen unglaublichen Ehrgeiz, der Welt (und vor allem den Eltern) durch Leistung zu zeigen, dass sie (be-)achtenswert sind.

Jedes Elternpaar muss sich bewusst sein, dass sie die Paar- und Elternebene unterschiedlich behandeln müssen. Sie haben sich auf der Paarebene kennen- und lieben gelernt. Auf der Elternebene sind sie für ihre Kinder da. Während das Band auf der Paarebene reißen kann, bleibt das Band zwischen Eltern und Kindern auf der Elternebene immer verbunden. Egal wie viel der eine über den anderen meckert oder wie oft man einander sieht. Der Vater bleibt immer der Vater. Und die Mutter bleibt immer die Mutter.

Es ist nicht verwerflich, auf den anderen nach einer Trennung wütend zu sein. Doch dann müssen sich die Elternteile ihrer Trauer widmen, die Konflikte miteinander klären und diese nicht als Wut über den anderen an den Kindern auslassen.
Jedes Kind hat ein Recht auf beide Eltern. Das ändert auch keine Trennung oder Scheidung. Ein Kind ist frei für seine eigene Zukunft und sein Leben, wenn es seine Eltern als Kraft hinter sich spürt und nicht zwischen die Fronten gestellt wird.
Wenn Kinder anfangen, gegen den eigenen Vater um Unterhalt zu klagen oder über einen Elternteil verachtend zu sprechen, ist klar, dass sie die Gefühle des anderen Elternteils übernehmen und bereits kräftig im Stellvertreterkampf mitspielen. Ein Kind liebt auf tiefer Ebene beide Eltern, egal, was sie getan haben.

Es erfordert als Mutter und Vater innere Größe, den eigenen Zorn und Schmerz immer wieder zum Wohle des Kindes zurückzustellen und zwischen den Eltern zu klären. Die Kinder werden es den Eltern letztlich danken, wenn sie trotz der Trennung wissen, dass ihre Eltern als Eltern immer für sie da sind und dass sie sich niemals zwischen den beiden entscheiden müssen.

Durch Kinder gibt es keine Garantie, dass das Band zwischen Mann und Frau für immer hält. Doch das Band zu den Kindern bleibt bestehen. Es hat nichts mit dem Band des Paares zu tun. Die Eltern sind dann zwar als Paar getrennt, doch als Eltern bleiben sie immer miteinander verbunden.

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