Über erziehungsluecke

Junge Mutter, Wirtschaftsinformatikerin, ausgebildet in NLP und über 10 Jahre Erfahrung in systemischen Aufstellungen.

Antifragilität im Alltag

Es gibt drei Zustände in der Natur:
fragil, also sehr zerbrechlich. Robust, also hart und (nahezu) unzerstörbar.
Und antifragil. Was ist das?

Nassim Nicholas Taleb beschreibt es so:

„Antifragilität ist mehr als Resilienz oder Robustheit. Das Resiliente, das Widerstandsfähige widersteht Schocks und bleibt sich gleich; das Antifragile wird besser […]
Das Antifragile steht Zufälligkeit und Ungewissheit positiv gegenüber, und das beinhaltet auch – was entscheidend ist – die Vorliebe für eine bestimmte Art von Irrtümern. Antifragilität hat die einzigartige Eigenschaft, uns in die Lage zu versetzen, mit dem Unbekannten umzugehen, etwas anzupacken – und zwar erfolgreich –, ohne es zu verstehen.“ (Antifragilität, S. 21/22)

Ich beobachte in vielen Familien hierzulande eine gewisse Besessenheit von Strukturen. Um 7 Uhr gibt es jeden Tag Frühstück. Um 7:45 Uhr wird der Weg zur Kita und Arbeit begonnen. Um 12 Uhr gibt es jeden Tag Mittagessen. Um 18 Uhr gibt es Abendessen. Um 19:55 Uhr gucken die Kinder das Sandmännchen. Um 20 Uhr gehen die Kinder ins Bett. Und schlimmstenfalls dazwischen zu festgelegten Tagen ein festgelegtes Programm.

Die Begründung dafür kommt sofort aus der Hüfte geschossen: Kinder bräuchten Struktur. Der Körper passe dann auch seinen Hunger und alle anderen Bedürfnisse dieser Struktur an, sodass die Kinder nicht zwischendurch essen wollen und rechtzeitig im Bett liegen, um genug Schlaf für den nächsten Tag zu bekommen. Weiterlesen

Entrüstung der Frauen

Manchmal habe ich den Eindruck, im Leben der Frauen – und Müttern im Besonderen – geht es nur ums „sich Echauffieren“.

„Schau mal, was hat die denn auf dem Kopf? Die Frisur geht ja gar nicht!“, „Also mit dem Po würde ich mich ja nicht auf die Straße trauen!“, „Wie kann man denn mit Highheels auf den Spielplatz gehen?!“. Wir geben Müttern mittlerweile noch eine Schonfrist nach der Geburt. Doch eigentlich nur drei Monate. Und auch nur den anderen. Uns selbst erlassen wir die Erwartungen an die eigene Figur und das Erscheinungsbild nicht, was bei vielen schon nach zwei Wochen zu Selbstkritik und Unzufriedenheit führt. Schließlich sehen die Frauen in der Zeitschrift ja schon am nächsten Tag aus, als hätte sie nie ein Kind bekommen.

Doch es endet nicht beim wahnsinnigen Schönheitsideal. Dann geht es weiter: „Wie kann sie ihr Kind nur so lange schreien lassen?“, „Das arme Kind hat mit drei Jahren immer noch einen Schnuller!“, „Also meine Kinder dürfen keinen Zucker!“. Weiterlesen

Liebe heilt alle Wunden

In Sachen Erziehung gibt es kaum einen Artikel, in dem nicht einmal vorkommt, dass wir unseren Kindern einfach nur viel Liebe geben und sie bedingungslos lieben sollten, damit am Ende alles toll ist. Das hat sich mittlerweile auch bei den meisten eingeprägt, und wir klopfen uns stolz auf die Schulter „Wir machen das viel besser als unsere Eltern“.  Was die Artikel dabei aber nicht erklären: was ist eigentlich Liebe? Was heißt bedingungslos zu lieben?

Liebe kann nur sehr individuell definiert werden, daher wird es oft einfach gar nicht definiert. Durch Alltagsbeispiele würde man aber zumindest eine Idee erhalten, was bedingungslose Liebe bedeutet. Leider erkennen wir dabei, dass wir uns oft überhaupt nicht bedingungslos liebend gegenüber unseren Kindern verhalten und wir auch längst nicht die bessere Einstellung haben als die Generationen vor uns. Weiterlesen

Ich hatte das aber zuerst

Der Traum jedes schlichtungswilligen, zur Rettung bereiten Erwachsenen… Viele Erwachsene – besonders gerne Erzieher – fordern und fördern diese Auseinandersetzung zwischen Kindern.

Doch was war eigentlich vorher geschehen?

> Anna spielt mit einer Schaufel.
> Anna legt die Schaufel neben sich, dreht sich um und spielt mit einem Eimer.
> Paul entdeckt die herumliegende Schaufel und nimmt sie sich.
> Anna sieht, dass Paul die Schaufel nimmt.
> Anna sprintet zur Schaufel und zieht daran.
> Anna schreit.
> Paul schreit.
> Anna ruft: „Ich hatte die aber zuerst!“
> Paul ruft: „Ich will die aber!“
> Anna schaut hilfesuchend zu Mama.

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Tandemstillen

Tandemstillen bedeutet, zwei Kinder (heutzutage in der Regel Geschwister) zu stillen. Ich werde hin und wieder mit der Frage konfrontiert, wie man denn ein älteres Kind und einen Säugling gleichzeitig stillen könne. Die Frage zielt vor allem darauf ab, ob der Säugling denn dann die richtige und überhaupt genug Milch bekommt. Und wie geht es der Mutter eigentlich dabei? Weiterlesen

Eigenverantwortung oder Dienstleistung

Anders ausgedrückt: Dienstleistungsbeziehung oder lieb gemeint, aber am Bedürfnis vorbei.

Ich habe bereits einige Artikel dem Phänomen der Übervorsorge von Eltern gewidmet. Dies beinhaltet zwei Verhaltensweisen: die Eltern sind stets bedacht, ihren Kinder immer und überall unter die Arme zu greifen sowie sie vor Leid zu bewahren. Zugleich wollen sie ihrem Kind jeden „Ich will haben“-Wunsch erfüllen. Oft wurde ihnen in ihrer eigenen Kindheit vieles verwehrt, weshalb sie die sofortige Wunscherfüllung als einziges Werkzeug zum Glücklichsein empfinden.
Wir verwechseln heute die Selbstbestimmung des Kindes mit der Abgabe unserer elterlichen Verantwortung, unser Kind durch weitsichtige, wohlwollende Entscheidungen Sicherheit und Richtung zu geben. Ein Kind kann seine tieferen Bedürfnisse frühestens mit 10 Jahren wirklich differenziert erkennen und benennen. Vorher überfordern wir unser Kind, ihm eine Vielzahl von Entscheidungen zu überlassen und jedem „Ich will haben“-Wunsch nachzugehen.
Um die Auswirkungen auf die Eltern-Kind-Beziehung in seiner Gänze zu begreifen, möchte ich euch die Worte des Familientherapeuten und Autors Jesper Juul aus „Dein kompetentes Kind“ ans Herz legen. Weiterlesen

Gefahren im Alltag

Ich bin absolut kein Fan von Panikmache und wenn unsere Eltern damit anfangen, die letzten Horrorgeschichten aus der Zeitung zu zitieren, schalte ich oft auf Durchzug. Je älter man wird, desto ängstlicher scheinen viele zu werden. Doch es ist eben doch ein Körnchen Wahrheit dran, und auch wenn selten etwas wirklich Lebensbedrohliches passiert, kann es durchaus hilfreich sein, aus den Erlebnissen anderer zu lernen und ein Auge auf Gefahrenquellen drinnen und draußen zu haben.

Da ich weder Ärztin noch Polizistin bin, zitiere ich dazu die Worte des Leiters der Rechtsmedizin am Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), Klaus Püschel. Am 16.04.2016 erschien in der Hamburger Morgenpost ein Bericht darüber, worauf Eltern unbedingt achten sollten. Dies soll euch nicht verängstigen, sondern sensibilisieren, um Gefahrenquellen aus dem Weg zu räumen und so die Kinder entspannt spielen lassen zu können. Weiterlesen

Unsere Gesellschaft stumpft ab

Ich stand morgens mit meiner vierjährigen Tochter in der Garderobe des Kindergartens und war dabei, ihr die Jacke auszuziehen. Neben uns weitere Eltern, die das Gleiche taten. Da kam eine Mutter zur Eingangstür herein und lief schnellen Schrittes an uns vorbei. Hinter ihr lief schreiend ihre dreijährige Tochter. Meine Tochter schaute erstaunt auf und sah den beiden nach, bis sie hinter der Ecke des Gangs verschwunden waren. Ich griff ihren Blick auf und sagte „Das kleine Mädchen ist traurig. Es sah so aus, als wollte sie nicht in die Kita, obwohl ihre Mutter wahrscheinlich zur Arbeit muss.“ Ich sprach noch ein paar Minuten mit ihr darüber, und wir überlegten, wie wir dem Mädchen helfen könnten.

Doch was in dieser Situation wirklich passiert war, realisierte ich erst ein paar Stunden später. Als die Mutter mit ihrem Kind hereinkam, blickten einige Kinder sie neugierig an. Die älteren dagegen sahen gar nicht erst hin. Ganz besonders bedeutsam war jedoch, dass keiner der Eltern auch nur einen Blick auf die Mutter mit ihrem Kind warf. Sie alle ignorierten die zwei komplett, als würden sie nichts hören. Und da wurde mir plötzlich etwas klar. Weiterlesen

Kindergeld

Werdende Eltern müssen sich mit näher rückendem Geburtstermin mit einem Wust an Formularen und Anträgen auseinandersetzen. Um dies ein wenig zu erleichtern, gibt es hier ein paar Infos zum Thema Kindergeld.

Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau liegt aktuell ungefähr bei 1,47 Kindern. Diese Zahl reicht nicht aus, um die Bevölkerungszahl in Deutschland stabil zu halten. Der deutsche Staat versucht deshalb Familien zu unterstützen und Anreize für das Gründen einer Familie zu schaffen. Eine Maßnahme ist das Zahlen von Kindergeld. Für jedes Kind bekommen die Eltern eine monatliche Zahlung, die zur Deckung der durch die Kinder entstehenden Unkosten beitragen soll. Seit 2016 sind das:

  • 190 Euro fürs 1. und 2. Kind
  • 196 Euro fürs 3. Kind
  • 221 Euro für alle weiteren Kinder

Wie lange bekommt man Kindergeld?

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Umgang mit Süßigkeiten

Momentan gibt es kaum ein Thema, das mich mehr aufregt und aus der Ruhe bringt. Unsere Tochter ist nun fast 4 ½ Jahre alt und seit kurzer Zeit ist sie täglich im Süßigkeitenfieber. Man könnte es auch Zuckerwahn nennen. Die erste Frage nach dem Aufstehen ist: „Kann ich was Süßes?“. Und so geht es den ganzen Tag weiter. Im Supermarkt ist es jedes Mal ein Drama, wenn ich weder den Riesen-Schokohasen für 5€ noch das fußballgroße Oster-Schoko-Überraschungsei kaufe.

Was also tun, um wieder Normalität in dieses Thema zu bringen? Weiterlesen