Streit und Versöhnung

Beim Thema „Ob oder wie viel Streit sollen Kinder mitbekommen?“ scheiden sich die Geister. Die einen sagen „Bloß nicht die Kinder involvieren. Das führt zu bleibenden Schäden.“, die anderen sagen „Die Kinder sollen alles mitbekommen, um zu lernen, mit Konflikten umzugehen.“

Streit zwischen Vater und Mutter oder Eltern und Freunden oder Verwandten lässt sich nicht planen. Es entsteht im Affekt. Die Kinder sind also meist ohnehin zumindest anfangs dabei.
Was ich persönlich aber viel entscheidender finde, ist, dass die wenigsten Kinder bei der Versöhnung der Streitparteien anwesend sind. Meist werden sie bei Aufkommen eines Konflikts aus dem Raum geschickt oder die Parteien trennen sich wutentbrannt. Doch die Lösung und Versöhnung bekommen die Kinder nicht mit, da diese am Telefon, außerhalb des Hauses, hinter verschlossenen Türen oder während die Kinder schlafen passieren.

Wie sollen Kinder lernen, sich zu versöhnen, wenn sie stets nur den Streit erleben? Zeigt ihnen die Versöhnung!

Bedingungslose Liebe des Kindes

Ein Neugeborenes betrachtet seine Eltern mit bedingungsloser Liebe. Es bekommt Nähe und Nahrung von der Mutter und übergibt sein Schicksal in ihre Hände.

Wenn wir von Kindern sprechen, die ihre Eltern lieben, meinen wir oft Kinder, die artig und gehorsam sind. Kinder, die brav zur Schule gehen, gute Noten mitbringen, sich nicht prügeln, immer lachen, essen, was auf den Tisch kommt.

Doch immer öfter hört man von Kindern im Jugendalter, die aus dem Ruder laufen, die ihre Eltern anschreien, nicht auf Vereinbarungen hören, Türen knallen, die Schule schwänzen oder die Eltern gar ignorieren. Was hat das mit Liebe zu tun? Wo ist die anfängliche bedingungslose Liebe hin?
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„Deine Erziehungsweise ist falsch.“

Anna und Lars sind frisch gebackene Eltern. Das Weihnachtsfest steht vor der Tür und das erste Mal in ihrer Beziehung wollen sie Weihnachten gemeinsam feiern. Beide rennen los und kaufen Weihnachtsschmuck. Anna macht sich so gleich an die Dekoration. Als Lars nach einer Stunde den Raum betritt, fällt er fast in Ohnmacht: „Wie kannst du den Baum denn ganz in Rot schmücken? Bei uns zu Hause war der Baum immer in Silber.“ Beide bestehen darauf, die einzig richtige Baumdekoration zu haben, denn so kennen sie es ja von zu Hause. Eine Einigung kommt nicht in Frage.

Anna und Lars sitzen mit ihrem nun drei Jahre alten Sohn beim Italiener. Als der Teller Spaghetti endlich dampfend vor ihnen steht, schneidet Anna ihrem Sohn sorgfältig jede Nudel mit dem Messer in mundgerechte Stücke. Lars verdreht die Augen und sagt genervt: „Wann lernt der Junge endlich, die Nudeln vernünftig mit Löffel und Gabel zu essen?“ Der Junge sieht seine Mutter erwartungsvoll an. Sie ignoriert ihren Mann und sagt gelassen in Richtung ihres Sohnes: “ Bei uns zu Hause wurden die Spaghetti immer geschnitten. Das hat noch niemandem geschadet. Nicht wahr, mein Junge?“

Wie schmückt man den Weihnachtsbaum? Wie isst man Spaghetti? Wer hat recht, Mutter oder Vater? Doch worum geht es eigentlich?
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