Bedingungslose Liebe des Kindes

Ein Neugeborenes betrachtet seine Eltern mit bedingungsloser Liebe. Es bekommt Nähe und Nahrung von der Mutter und übergibt sein Schicksal in ihre Hände.

Wenn wir von Kindern sprechen, die ihre Eltern lieben, meinen wir oft Kinder, die artig und gehorsam sind. Kinder, die brav zur Schule gehen, gute Noten mitbringen, sich nicht prügeln, immer lachen, essen, was auf den Tisch kommt.

Doch immer öfter hört man von Kindern im Jugendalter, die aus dem Ruder laufen, die ihre Eltern anschreien, nicht auf Vereinbarungen hören, Türen knallen, die Schule schwänzen oder die Eltern gar ignorieren. Was hat das mit Liebe zu tun? Wo ist die anfängliche bedingungslose Liebe hin?

– Paul ist vier Jahre alt. Seit einem Jahr fällt er überall auf, wo seine Eltern mit ihm hingehen. Er kann nicht still sitzen, lässt ständig etwas fallen oder tut sich weh. Langsam bringt er seine Eltern zur Verzweiflung. Sie zweifeln an sich selbst, suchen die Ursachen in der neuen Kita. Was sie jedoch ganz vergessen haben, ist, dass sie sich vor einem Jahr in einer Ehekrise befanden. Sie standen kurz davor, sich zu trennen. Plötzlich begann Paul, unruhig, zappelig und tollpatschig zu werden. Im Nu war die Trennung kein Thema mehr. Die Eltern waren non-stop mit ihrem verhaltensauffälligen Sohn beschäftigt.

Die vermeintlich fehlende Liebe von Paul zu seinen Eltern, denen er ein so schweres Leben bereitet, ist tatsächlich Ausdruck purer Liebe zu ihnen. Er hat schon lange bevor seine Eltern darüber gesprochen hatten, gespürt, dass etwas Ungutes in der Luft lag. Als er begann, sich auffällig zu verhalten, merkte er, dass seine Eltern sich übermäßig um ihn kümmerten und dabei ihre Anspannung untereinander nachließ. Sie sahen ihn gemeinsam sorgenvoll an, regten sich gemeinsam über ihn auf, suchten gemeinsam Hilfe. Auf einmal war da wieder ein „Gemeinsam“. Paul lernte also unbewusst, was er tun muss, um seine Eltern zusammenzuhalten. Und das tut er gern. Aus Liebe.

– Lara und Anton sind Geschwister. Sie streiten sich ständig. Der eine fängt an und der andere haut doppelt so stark zurück. Ihre Eltern sagen von sich, sie hätten eine glückliche Beziehung und Harmonie ginge ihnen über alles. Tatsächlich wirken sie sehr ausgeglichen und freundlich miteinander. Sie verstehen nicht, warum ihre Kinder solche Raufbolde sind und regen sich immer häufiger darüber auf.

Kinder erspüren auch versteckten und unterdrückten Zorn. Was die Eltern möglicherweise nicht zur Sprache bringen, übernehmen die Kinder und drücken es auf ihre Weise aus. Das Elternpaar in diesem Beispiel muss sich eingestehen, dass sie in ihrer Ehe schon eine Menge Frust weggedrückt haben. Sie haben den Konflikt gelöst, indem sich jeder von ihnen auf seinen Bereich zurückzog. Beide konzentrierten sich mehr auf ihren Beruf und ihre Hobbys. Die Kinder spüren die Spannungen, die unter der Oberfläche herrschen. Indem sie streiten, drücken sie diese aus. Man könnte fast sagen: Solange die Kinder streiten, können die Eltern friedlich bleiben.

Wer von dieser Liebe der Kinder zu den Eltern weiß, kann als Vater und Mutter entspannen und weiß, wo er die Ursachen zu suchen hat, wenn sich die Kinder auffällig verhalten.

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Ein Gedanke zu „Bedingungslose Liebe des Kindes

  1. Das ist eine sehr interessante Sichtweise, die „man“ vielleicht gar nicht wahrnehmen mag. Ich habe auch schon öfters Kinder und Eltern beobachtet, wo es mir leicht fiel, so eine wie oben beschriebene Verbindung zu sehen. Wenn sich aber die eigenen Kinder „auffällig“ benehmen, dann denke ich zuallerst mal „was hat denn mein Kind plötzlich?“ „wo hat es denn dieses Verhalten abgeschaut?“ „warum ist er/sie nur so anstrengend?“ Das dieses Verhalten was mit mir zu tun hat, darauf komme ich oft erst, wenn ich mir Zeit nehme und richtig darüber nachdenke! Und da Zeit bei den meisten Eltern Mangelware ist, ist es wirklich schwierig diese Verbindung bei sich selbst zu sehen. Aber wenn man sich mal die Zeit nimmt und sich traut, ehrlich zu sich selbst zu sein, dann bekommt man sicher gute Einsichten.

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