Liebe heilt alle Wunden

In Sachen Erziehung gibt es kaum einen Artikel, in dem nicht einmal vorkommt, dass wir unseren Kindern einfach nur viel Liebe geben und sie bedingungslos lieben sollten, damit am Ende alles toll ist. Das hat sich mittlerweile auch bei den meisten eingeprägt, und wir klopfen uns stolz auf die Schulter „Wir machen das viel besser als unsere Eltern“.  Was die Artikel dabei aber nicht erklären: was ist eigentlich Liebe? Was heißt bedingungslos zu lieben?

Liebe kann nur sehr individuell definiert werden, daher wird es oft einfach gar nicht definiert. Durch Alltagsbeispiele würde man aber zumindest eine Idee erhalten, was bedingungslose Liebe bedeutet. Leider erkennen wir dabei, dass wir uns oft überhaupt nicht bedingungslos liebend gegenüber unseren Kindern verhalten und wir auch längst nicht die bessere Einstellung haben als die Generationen vor uns. Weiterlesen

Ich hatte das aber zuerst

Der Traum jedes schlichtungswilligen, zur Rettung bereiten Erwachsenen… Viele Erwachsene – besonders gerne Erzieher – fordern und fördern diese Auseinandersetzung zwischen Kindern.

Doch was war eigentlich vorher geschehen?

> Anna spielt mit einer Schaufel.
> Anna legt die Schaufel neben sich, dreht sich um und spielt mit einem Eimer.
> Paul entdeckt die herumliegende Schaufel und nimmt sie sich.
> Anna sieht, dass Paul die Schaufel nimmt.
> Anna sprintet zur Schaufel und zieht daran.
> Anna schreit.
> Paul schreit.
> Anna ruft: „Ich hatte die aber zuerst!“
> Paul ruft: „Ich will die aber!“
> Anna schaut hilfesuchend zu Mama.

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Eigenverantwortung oder Dienstleistung

Anders ausgedrückt: Dienstleistungsbeziehung oder lieb gemeint, aber am Bedürfnis vorbei.

Ich habe bereits einige Artikel dem Phänomen der Übervorsorge von Eltern gewidmet. Dies beinhaltet zwei Verhaltensweisen: 1. die Eltern sind stets bedacht, ihren Kinder immer und überall unter die Arme zu greifen sowie sie vor Leid zu bewahren. Und 2. sie wollen ihrem Kind jeden „Ich will haben“-Wunsch erfüllen. Vielleicht wurde ihnen in ihrer eigenen Kindheit vieles verwehrt, weshalb sie die sofortige Wunscherfüllung als einziges Werkzeug zum Glücklichsein empfinden.
Wir verwechseln heute die Selbstbestimmung des Kindes mit der Abgabe unserer elterlichen Verantwortung, unserem Kind durch weitsichtige, wohlwollende Entscheidungen Sicherheit und Richtung zu geben. Ein Kind kann seine tieferen Bedürfnisse frühestens mit 10 Jahren wirklich differenziert erkennen und benennen. Vorher überfordern wir unser Kind, ihm eine Vielzahl von Entscheidungen zu überlassen und jedem „Ich will haben“-Wunsch nachzugehen.
Um die Auswirkungen auf die Eltern-Kind-Beziehung in seiner Gänze zu begreifen, möchte ich euch die Worte des Familientherapeuten und Autors Jesper Juul aus „Dein kompetentes Kind“ ans Herz legen. Weiterlesen

Unsere Gesellschaft stumpft ab

Ich stand morgens mit meiner vierjährigen Tochter in der Garderobe des Kindergartens und war dabei, ihr die Jacke auszuziehen. Neben uns weitere Eltern, die das Gleiche taten. Da kam eine Mutter zur Eingangstür herein und lief schnellen Schrittes an uns vorbei. Hinter ihr lief schreiend ihre dreijährige Tochter. Meine Tochter schaute erstaunt auf und sah den beiden nach, bis sie hinter der Ecke des Gangs verschwunden waren. Ich griff ihren Blick auf und sagte „Das kleine Mädchen ist traurig. Es sah so aus, als wollte sie nicht in die Kita, obwohl ihre Mutter wahrscheinlich zur Arbeit muss.“ Ich sprach noch ein paar Minuten mit ihr darüber, und wir überlegten, wie wir dem Mädchen helfen könnten.

Doch was in dieser Situation wirklich passiert war, realisierte ich erst ein paar Stunden später. Als die Mutter mit ihrem Kind hereinkam, blickten einige Kinder sie neugierig an. Die älteren dagegen sahen gar nicht erst hin. Ganz besonders bedeutsam war jedoch, dass keiner der Eltern auch nur einen Blick auf die Mutter mit ihrem Kind warf. Sie alle ignorierten die zwei komplett, als würden sie nichts hören. Und da wurde mir plötzlich etwas klar. Weiterlesen

Umgang mit Süßigkeiten

Momentan gibt es kaum ein Thema, das mich mehr aufregt und aus der Ruhe bringt. Unsere Tochter ist nun fast 4 ½ Jahre alt und seit kurzer Zeit ist sie täglich im Süßigkeitenfieber. Man könnte es auch Zuckerwahn nennen. Die erste Frage nach dem Aufstehen ist: „Kann ich was Süßes?“. Und so geht es den ganzen Tag weiter. Im Supermarkt ist es jedes Mal ein Drama, wenn ich weder den Riesen-Schokohasen für 5€ noch das fußballgroße Oster-Schoko-Überraschungsei kaufe.

Was also tun, um wieder Normalität in dieses Thema zu bringen? Weiterlesen

Jedes Kind ist anders

Ein wenig still ist es hier geworden.. Seit einigen Monaten hört man nicht so viel von mir. Das mag vor allem an der Geburt meines zweiten Kindes liegen. Nun sind wir nicht mehr nur Eltern eines vierjährigen Mädchens, sondern auch eines mittlerweile sieben Monate alten Jungen. Seine Geburt hat viel in mir bewegt und natürlich unsere kleine Familie grundlegend verändert. Mit einem Kind sind wir zu allen Geburtstagen, Einweihungsparties und Kochabenden gegangen. Unsere Tochter war überall dabei und schlief auch überall ein.

Mit zwei Kindern verändert sich die Welt drastisch. Plötzlich reichen zwei Arme nicht mehr, um alle zufriedenzustellen. Weiterlesen

Kinder heute – Gesellschaft morgen

Zitat

Kinder sind wie ein Schwamm, was immer sie sehen, hören und fühlen, können sie aufschnappen, und das tun sie auch, wobei sie nicht nur die Verhaltensweisen ihrer unmittelbaren Vorbilder, sondern auch jene von flüchtigen Bekannten übernehmen. Und was Kinder auf diese Weise mitbekommen, wird Einfluß darauf haben, wie sie heranwachsen, und dies wiederum wird sich in einem solchen Maße auf die Welt als Ganzes auswirken, daß es für uns unvorstellbar ist. Weiterlesen

Leichtigkeit in Konflikten

Die meisten kennen es: zwei berufstätige Erwachsene, ein Kind in der Trotz- oder irgendeiner anderen Phase, Haushalt und die hin und wieder konträren Bedürfnisse aller Beteiligten. Das führt zwangsläufig zu Stress und Unmut, wenn man sich nicht bewusst mit Auswegen aus dem Hamsterrad beschäftigt. Denn gerade in diesen Momenten gerät man leider oft mit seinem Partner oder auch den Kindern aneinander. Kleine Macken werden plötzlich zu lauten Konflikten. Und wenn man schon mal dabei ist, kann man auch gleich noch die drei Jahre alte Vorwurfskiste auspacken.

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Gemeinsam sind wir stärker

Wenn ein Vater vor dreißig Jahren von der Arbeit kam, sich in den Sessel setzte und die Zeitung aufschlug, war er ein stolzer Mann. Dass er auch in den freien Abendstunden nicht die Kinderbetreuung übernahm, machte ihn nicht zu einem schlechten Vater, denn er verdiente ja das Geld für die Familie. Wollte jedoch eine Frau ein Jahr nach der Geburt wieder arbeiten, wurde sie sogleich als Rabenmutter verspottet. 

Was müssen Mütter sich alles anhören! Wenn wir schnell wieder arbeiten gehen, sind wir per se Rabenmütter, wenn wir nicht arbeiten gehen, leben wir auf Kosten unseres Mannes. Mittlerweile ist die Berufstätigkeit einer Mutter etwas angesehener. Doch nun folgen die nächsten Vorwürfe: Mütter seien unproduktiver, würden ständig private Angelegenheiten während der Arbeit klären und die ach so produktiven Kollegen behindern. 

Aber es geht noch weiter. Was immer passiert, wir sind dafür verantwortlich. Weiterlesen

Grenzen spüren, Grenzen setzen

An Silvester schwor ich noch, Süßigkeiten die nächste Zeit zu meiden. Doch schon zwei Wochen später brachte die Kollegin zum Einstand einen herrlichen Kuchen mit. Beim ersten Stück drückte ich noch ein Auge zu. Doch auch dem zweiten konnte ich nicht widerstehen, obwohl ich längst satt war.

Die Bahn fuhr ein und die Türen öffneten sich. Eine Masse von Menschen quoll heraus und eine ebenso große Masse wollte wieder einsteigen. Dicht gedrängt stand ich im Eingangsbereich, nur durch einen Griff an der Decke gesichert. Bei jeder Bewegung der Bahn stieß ich gegen meine Stehnachbarn. Es wurde immer wärmer. Als ich endlich ausstieg, atmete ich erleichtert auf. Trotz der unangenehmen Situation war ich nicht eher ausgestiegen.

Eine Freundin rief aufgeregt an. Sie wollte ein Wochenende in der Stadt verbringen, doch ihre Übernachtungsgelegenheit hatte abgesagt. Nun brauchte sie dringend für eine Nacht eine Unterkunft. Natürlich bot ich ihr unser Sofa an. Doch aus einer Nacht wurden ohne zu fragen drei. Am letzten Tag konnte ich meinen Frust darüber kaum noch verbergen und verabschiedete sie nur mühsam mit freundlichen Worten.

Es ist Alltag und dennoch finden wir keine Routine: Immer wieder überschreiten wir unsere Grenzen oder lassen sie überschreiten. Es ist eine Volkskrankheit und begleitet uns das ganze Leben. Im Berufsleben ist es sogar anerkannte Norm, ohne die man jeglichen Wunsch nach Karriere angeblich vergessen kann. Die wenigsten finden einen guten Umgang damit. Auch „geschulte“ Menschen müssen sich immer wieder damit befassen.

Sicherlich bis zu 90% der Menschen schwanken zwischen Runterschlucken bis die Wut-Explosion kommt oder sofortiger Distanzierung bis zum Kontaktabbruch. Doch gibt es kein Dazwischen? Weiterlesen