Muss sich mein Leben ums Kind drehen oder sollte das Kind nur Teilnehmer meines Lebens sein?

Ich arbeite 30 Stunden pro Woche. Darüber bin ich eigentlich sehr glücklich. Meine Tochter ist ungefähr 6 1/2 Stunden am Tag in der Kita. Wenn ich gegen halb vier den Arbeitsplatz verlasse und sie abhole, habe ich theoretisch noch ungefähr vier Stunden Zeit mit ihr. Eigentlich doch eine Menge. Und doch liege ich oft abends erschöpft auf dem Sofa und frage mich, ob ich eine schlechte Mutter bin, weil ich meiner Tochter viel zu wenig an Unterhaltung geboten habe.
Bis sie sich in der Kita von den Spielkameraden loseisen konnte und fertig angezogen ist, ist es meist kurz nach vier. Dann kommt die Entscheidung, die ich jeden Tag treffen muss: Einkaufen oder Spielplatz. Beides ist nicht drin. Natürlich muss ich nicht jeden Tag einkaufen. Mal ist es der Einkauf, mal aufräumen, mal irgendeine andere Erledigung. Ob ich nun meinen Einkauf sinnvoll plane, sei mal dahingestellt. Weiterlesen

Innere Größe in der Praxis – Teil V

Leitartikel: Innere Größe

Beispiel 5 – Ich bin kein Fan von Kinderwagen. Bisher ist unsere Tochter entweder gelaufen oder ich habe sie auf dem Arm getragen. Jetzt ist sie jedoch 23 Monate alt und ihre 11 Kilo tragen sich leider nicht mehr von alleine. Ich sah also vor einem Monat ein, dass in einem bestimmten Alter ein Kinderwagen doch von Vorteil ist. Doch nur, weil ein Kiwa da ist, heißt das noch lange nicht, dass Kind im Wagen sitzen möchte. Schon gar nicht, wenn es bisher immer schön getragen wurde.
Mein Mann und ich haben also beschlossen, ihr anzubieten, entweder selbst zu laufen oder sich in den Kiwa zu setzen.
Aber wie es dann immer so schön ist, dann hat man es eilig, keine Lust, eine halbe Stunde das Kind vom Kiwa zu überzeugen, und schwups ist sie wieder auf dem Arm. Also verfrachtete ich den Kiwa kurzerhand einfach in den Keller und lief bzw. trug sie. Nach einem Monat Kiwa-Pause setzte sie sich plötzlich in der Kita mit Begeisterung in die dort stehenden Kiwas, wenn wir sie abholten. Also holte ich testweise den Kiwa wieder hoch. Auf einmal fand sie ihn interessant, allerdings auch nur 10 Minuten am Stück. So ging das noch einige Zeit. Mal setzte sie sich eine Weile rein, dann gab es wieder Diskussion.
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Innere Größe in der Praxis – Teil IV

Leitartikel: Innere Größe

Beispiel 4 – Wir waren eine Woche zu dritt auf Mallorca. Bewusst hatten wir uns das erste Mal für ein Hotel mit All-inklusive entschieden. Die Reise begann morgens um 3:30 im Bus zum Flughafen. Um 11:30 erreichten wir endlich das Hotel. Entsprechend freuten wir uns auf das Mittagessen. Das Buffet war reichlich. Als wir endlich saßen, schien unsere Tochter jedoch alles andere interessanter zu finden, nur nicht das Essen vor ihrer Nase. Schon immer war es uns eigentlich egal, ob sie dann aufstand oder bei uns sitzen blieb. Also ließen wir sie losrennen. Schnell schlang ich mein Essen hinunter, um nach ihr Ausschau zu halten. Wir saßen in einem großen Raum, der jedoch durch Glastüren zu allen Seiten geöffnet war. Hinter der einen Ecke befand sich der Pool, zur anderen Seite ein Spielplatz, der von unserem Tisch aus nicht einsehbar war. Auf der dritten Seite befand sich eine Straße, die zwar wenig befahren war, dennoch eine Gefahrenquelle darstellte. Erst saß ich also auf meinem Stuhl und scannte non-stop die Umgebung nach meiner Tochter ab. Dann nahm sie Kurs auf die Ecke, hinter der der Pool lag. Weiterlesen

Innere Größe in der Praxis – Teil III

Leitartikel: Innere Größe

Beispiel 3 – Das leidige Thema mit dem Zähneputzen..

Unsere Tochter ist nun fast zwei Jahre alt. Als die ersten Zähne kamen, nahmen wir das Thema noch auf die leichte Schulter. Sie mochte es, auf der kleinen Lernzahnbürste herumzukauen, und bei den wenigen Zähnen schien uns das erstmal genug zu sein. Dann wurden es mehr Zähne und natürlich veränderte sich auch die Nahrung. Doch jeder Versuch, ihr die Zähne richtig zu putzen, wurde mit heftigem Protest abgewehrt. Jegliche Erklärungen, wie wichtig das Zähneputzen doch sei, wurden mit Kopf wegdrehen und hauen verneint.

Wir stellten uns also die Frage: Wer ist hier der Große? Wer entscheidet, ob die Zähne geputzt werden müssen oder nicht? Weiterlesen

Innere Größe in der Praxis – Teil II

Leitartikel: Innere Größe

Beispiel 2 – Jan spielt unten an der Treppe mit Steinen. Sarah wartet bereits oben vor der Haustür und ruft ihn. „Jan, komme jetzt bitte!“ Keine Reaktion. Auch nach dem dritten Versuch kommt Jan nicht. Verärgert geht Sarah in die Wohnung. 10 Minuten später kommt Jan fröhlich die Treppe hinauf zur Wohnung.

Jan hat seine Mutter sehr wohl gehört. Weiterlesen

Innere Größe in der Praxis – Teil I

Leitartikel: Innere Größe

Ich möchte noch ein paar praktische Beispiele für den Umgang mit Kindern in der Haltung „innerer Größe“ geben:

Beispiel 1 – Jedes Mal, wenn Mutter Sarah mit ihrem drei Jahre alten Sohn Jan einkaufen geht, schmeißt er sich an der Kasse wütend und mit rotem Kopf auf den Boden, weil er einen Lolli haben möchte. Wenn Sarah dann nein sagt, beschimpft er sie: „Du bist eine böse Mama! Ich mag dich nicht mehr!“ Spätestens an diesem Punkt gibt Sarah nach und kauft den Lolli doch.
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Die natürliche Ungleichheit

Heutzutage wollen wir unsere Kinder als gleichberechtigte Partner betrachten und erziehen. Sie sollen bei allem Mitspracherecht haben. Doch sind wir dann ehrlich mit ihnen?
Was unterscheidet die Eltern von den Kindern?
Wir schenkten ihnen das Leben. Ohne Eltern keine Kinder. Das Leben des Kindes ist dadurch jedoch nicht das Eigentum der Eltern. Allein die Weitergabe des Lebens macht eine Frau zur Mutter und einen Mann zum Vater. Dafür müssen sie nicht besonders klug sein, kein besonderes Einkommen haben und sich auch nicht anstrengen. Was auch immer sie für Menschen sind, sie sind Eltern und geben das ihnen Bestmögliche. In ihrem Leben können sie keinen größeren Wert erschaffen. Sie werden nicht erst Eltern, indem sie ihrer Umwelt beweisen, dass sie als Mutter und Vater taugen. Das wirklich Wesentliche ist bereits geschehen.

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Innere Größe

Ich sitze in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Eine Mutter steht mir gegenüber. Im Kinderwagen ihr ca. drei Jahre alter Sohn. Er schreit, möchte scheinbar einen Keks aus der Tasche der Mutter. Sie redet auf ihn ein, dass er doch schon Frühstück hatte und nicht so schreien solle. Ihre Worte zeigen keine Wirkung. Wütend wirft er sein Plastikauto auf den Boden. Eilig hebt die Mutter es auf und versucht, es ihm wieder in die Hand zu drücken. Nun beginnt er, sie zu schlagen. Sie guckt sich ängstlich um, kramt in ihrer Tasche und holt einen Keks heraus. Der Junge verstummt und ein triumphierendes Lächeln breitet sich über sein Gesicht aus.

Wer ist der Große und wer ist der Kleine?
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