Das Ende der Still-Geschichte

Ich schrieb bereits darüber, dass auch eine Mutter, die sich einst für das „Stillen bis das Kind nicht mehr will“ entschied, mal ins Straucheln gerät. Das war für mich ein Moment, in dem ich mich noch einmal daran erinnern musste, welchen Segen das Stillen mir bringt. Zum Beispiel, dass es noch nicht eine einzige Situation in den letzten drei Jahren gab, in der ich mich wirklich hilflos gegenüber den wütenden, traurigen oder aufgebrachten Gefühlen meiner Tochter fühlte. Wenn Worte nicht mehr halfen, war sie binnen Sekunden durchs Stillen beruhigt. Egal, welcher Trotz sie zuvor noch geritten hatte. Dies gibt mir bis heute ein Gefühl der Sicherheit. Auch zeigt es ihr auf eindrückliche Weise, dass unsere Gefühle (und wie wir uns in sie hineinsteigern) von uns selbst gemacht sind und ebenso schnell verändert werden können. Egal, welches Gefühl sie übermannt, bei mir kommt sie immer zur Ruhe und findet Geborgenheit und Nähe. Mehr kann ich mir eigentlich gar nicht wünschen. Und das ist vor allem in der Trotzphase ein grandioser Weg, um dem Kind weiterhin wichtige körperliche Nähe zu geben, die viele Kinder in dieser Phase ablehnen, weil sie den Trotz gegen die elterliche Meinung mit körperlicher Distanz gleichsetzen.

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Kinder – Spiegel der Eltern

Eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind beginnt zwischen den Eltern. Auch diese können nur das weitergeben, was sie selbst erlebt haben. Wenn wir vom natürlichen Umgang mit Kindern sprechen, müssen wir bei der Beziehung der Eltern sowie ihrer Beziehung zu ihren Eltern beginnen. Unsere Kinder spiegeln nur das Verhalten, das sie bei uns sehen. So wie wir selbst mit anderen Familienmitgliedern interagieren, so werden auch sie mit uns und anderen umgehen. Egal, was die Eltern versuchen, ihren Kindern auf der verbalen Ebene zu vermitteln.

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Die Wirkung der inneren Haltung

In der Schwangerschaft beschäftigen sich viele Frauen das erste Mal intensiv mit sich selbst. War vorher jeder Versuch, weniger Kaffee zu trinken, erfolglos, hörte ich plötzlich von einem Tag auf den anderen auf. Musste ich mir vorher bewusst vornehmen, auf mein Sättigungsgefühl zu achten, geschah dies nun von ganz allein. Ignorierte ich vorher kleine Schmerzen im Körper, nahm ich nun jedes Ziepen ganz sensibel wahr und legte mich tagsüber hin, wenn mein Körper mir signalisierte, Ruhe zu brauchen. Die Schwangerschaft ist die Phase im Leben, in der wir ganz bewusst merken, dass sich die Welt nicht nur um uns selbst dreht, sondern dass wir mit dem, was wir tun, was wir denken und was wir zu uns nehmen, nun auch direkt einen anderen Menschen beeinflussen. Diese Phase bietet Chancen, ist aber zugleich auch eine große Herausforderung. Es wird Momente geben, da sind wir verzweifelt, unsicher und haben Angst, vor dem, was auf uns zukommt. Und es wird Momente geben, in denen fühlen wir uns stark, sind überglücklich und voller Vorfreude. Es ist die Phase im Leben einer Frau, in der es mehr als zu jedem anderen Zeitpunkt um ihre innere Einstellung zu sich selbst, ihrem Körper und ihrem Geist geht. Denn unsere Gedanken und die daraus resultierenden Gefühle beeinflussen uns, unser Kind und den Verlauf der Schwangerschaft und Geburt in hohem Maße. Von nun an gibt es einen Menschen auf der Welt, der hochsensibel auf jede unserer Gefühlsschwankungen reagiert. Nicht nur im Bauch der Mutter. Sein Leben lang.

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Konsequenz und Machtkämpfe

Mit fast drei Jahren ist unsere Tochter im perfekten Alter für die Trotzphase. Wenn sie etwas haben möchte und es nicht binnen Sekunden bekommt, wird geschrien oder geschmollt.

Vor Kurzem waren wir zwei Wochen zu dritt im Urlaub und kamen so den ganzen Tag in den Genuss dieser Situationen. Mein sonst so gelassener Mann, der gewöhnlich aus jeder Verweigerung mit einem Augenzwinkern ganz spielerisch herausfindet, wurde plötzlich richtig sauer und sah nicht mehr ein, durch Ablenkung oder Kompromisse die Situation zu entschärfen. Der Zeitpunkt war gekommen, dass er von ‚Konsequenz und Willensdurchsetzung‘ sprach. Es war kaum Zeit, das eigene Handeln zu durchdenken. Die Situationen hat doch jeder schon mal im Film gesehen. Dort haben die Eltern fast immer gleich reagiert: 1. Du kriegst xy jetzt nicht! (Härte) 2. Wir müssen dem Kind jetzt zeigen, dass es seinen Willen nicht durchsetzen kann (Exempel statuieren, keine Kompromisse) 3. Kind bis zur Erschöpfung oder Einwilligung schreien lassen (kein Eingehen auf die Gefühlsäußerungen und den Wunsch des Kindes) => Konsequente Durchsetzung des elterlichen Willens, am besten ohne Erklärung.
In der Tat zeigt das anfangs Wirkung. Das Kind ist eingeschüchtert, verstummt irgendwann, und die Eltern denken, nun wäre klar, dass das Kind in Zukunft keinen Widerspruch mehr einlegt.
Doch das Gegenteil ist langfristig der Fall!

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Langzeitstillen – Gedanken aus der Praxis

Langzeitstillen – kaum ein Thema wird heftiger in der Erziehung diskutiert. Mittlerweile treten die Vorteile dessen mehr in den Fokus. Sogar Wissenschaftler streiten nicht mehr ab, dass es die Bindung stärkt, die Kinder seltener krank sind und die Mütter weniger Stress mit Fläschchen, Gläschen, Aufwärmen und Sterilisieren haben.
Und doch: ich kenne nur eine Handvoll Frauen, die länger als ein Jahr stillt.
In der Öffentlichkeit wird stark polarisiert. Wer sein Kind über ein Jahr stillt, gehört schon gleich in die Gruppe der Langzeitstill-Mütter. Und obwohl immer mehr Menschen über die Vorteile wissen, werden stillende Frauen in der Öffentlichkeit nicht gerade mit Begeisterung empfangen. In der Presse wird meist nur von den Vor- und Nachteilen berichtet und nur selten, mit welchen Gedanken eine länger stillende Mutter in Deutschland zu kämpfen hat. Wie fühlt sich eigentlich eine Mutter, die sich für das Stillen über ein Jahr entschieden hat? Wenn ich ja zum Langzeitstillen gesagt habe, bin ich dann jedem Zweifel, jedem kritischen Blick erhaben? Wie gehe ich mit wechselnden Gefühlslagen um, wenn nach drei Jahren doch plötzlich die Einschränkungen und Rechtfertigungen in den Vordergrund treten?

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Karriere oder Kinderbetreuung?

Derzeit lese ich einiges zum Thema „Frauen und Karriere“. Wie zu erwarten war, widmen sich diese Bücher und Artikel insbesondere dem Thema „wie die Familienplanung Frauen bremst, ihre Karrierepläne zu verfolgen“.
Das gerade erschienene Buch Lean In: Frauen und der Wille zum Erfolg von Sheryl Sandberg, der Geschäftsführerin (COO) von Facebook, ist ein Plädoyer an Frauen, ihre Berufswünsche nicht über Bord zu werfen und schon gar nicht, bevor sie überhaupt schwanger sind.
Sie spricht davon, dass Frauen häufig schon vor der Schwangerschaft Aufstiegschancen nicht ergreifen, weil sie denken, dem früher oder später mit Kind nicht gerecht werden zu können. Dabei nennt sie viele Beispiele von Frauen, die trotz Familie eine Karriere als Führungskraft erreicht und gemeistert haben. Ihr sind Frauen in hohen Positionen deshalb wichtig, weil sie der Meinung ist, die Welt wäre eine bessere, wenn mehr Frauen mitsprechen und entscheiden würden.
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Windelfrei

Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland eine neue Bewegung: Windelfrei.

Was in anderen Breitengraden völlig normal ist, kommt uns hier als Weltneuheit vor. Fragt man in Afrika Mütter, wie sie es schafften, ihrem Kind das gezielte Pinkeln beizubringen, schauen sie nur fragend. Dort gibt es keine Windeln und die Frauen merken es sofort, wenn das Kind gleich pinkeln muss. Sie halten es dann einfach in den nächsten Busch. Das ist bei uns nicht ganz so einfach, denn das Wetter lässt es meist nicht zu, dem Kind wenig oder gar keine Kleidung anzuziehen, um dieses Vorgehen zu vereinfachen. Dennoch lässt sich davon einiges abschauen. In China gibt es sogenannte Split Pants, die es zu Anfang den Eltern ermöglichen, das Kind schnell über ein Töpfchen zu halten und später dem Kind, sich schnell hinzuhocken.

Sein Kind windelfrei aufzuziehen, ist in den seltensten Fällen ein Dogma. Viele Familien landen bei dieser Methode, weil sie entweder Müll vermeiden wollen oder ihr Kind allergische Reaktionen gegen die Windeln zeigt. Und wieder andere wollen die Kommunikation mit dem Kind stärken. Weiterlesen

Wut, Trauer und Freude in der Trotzphase

Ich gehe mit meiner 2 ½ jährigen Tochter an einem Blumengeschäft vorbei. Erst riecht sie vorsichtig an den Pflanzen, dann haut sie nach einem Blatt. Ich rufe ihr zu, dass sie vorsichtig mit den Pflanzen umgehen soll. Sie sieht mich an. Ein freches Grinsen breitet sich über ihr Gesicht aus. Nun es recht. So doll sie kann, haut sie nun die Pflanzen, während ich nur leidend zusehen kann.

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