HypnoBirthing

Was ist denn HypnoBirthing? Der ein oder andere hat den Begriff vielleicht schon mal gehört. Die Mehrheit aber wird sich wahrscheinlich fragend umschauen.

Mit 22 Jahren nahm ich an 10 Hypnose-Sitzungen teil, um zu lernen, wie ich mich selbst in Tiefenentspannung bringen kann. Als ich dann schwanger war, ließ mich das Thema nicht los. Ich erfuhr vom so genannten HypnoBirthing. Dabei handelt es sich um eine Methode, durch Selbsthypnose totale Entspannung und Konzentration zu erreichen. Frauen, die diese Methode anwenden, gehen davon aus, dass man bei der Geburt eines Kindes keine Schmerzen haben braucht. Der weibliche Körper ist insbesondere für das Gebären der Nachkommen gebaut und der Mensch hätte sich sicher nicht so rasant entwickelt, wäre jede dritte Frau damals bei der Geburt gestorben oder hätte danach keine weiteren Kinder mehr gewollt, weil sie solche Schmerzen erlitt.

In einem Buch zum Thema werden bestimmte Übungen empfohlen und ebenso, an Vorbereitungsgruppen teilzunehmen. Einige Übungen machte ich, verließ mich aber ansonsten auf das, was ich bereits gelernt hatte.

HypnoBirthing vermittelt jedoch noch einen weiteren Aspekt, der vielleicht noch viel wichtiger ist: Eine Geburt ist das Normalste der Welt. Millionen von Frauen haben bereits Kinder zur Welt gebracht und sind meist am selben Tag wieder auf den Beinen gewesen. In Deutschland hingegen ist die Mehrheit der Frauen davon überzeugt, für eine Geburt in ein Krankenhaus gehen zu müssen, weil so vieles schief gehen könne und die Schmerzen für den heutigen Menschen nicht mehr auszuhalten seien.

Ab der ersten Woche meiner Schwangerschaft wusste ich, dass ich eine ganz einfache Geburt haben, nichts schief gehen und ich keinen Arzt brauchen würde. So beschloss ich, auf jegliche Medikamente und Technik während der Geburt zu verzichten und meine Tochter in einem Geburtshaus zu entbinden.

Als nun der Tag x gekommen war, fuhren wir nach 6 Stunden leichter Wehen ins Geburtshaus. Nach zwei Stunden sagte die Hebamme, wir sollten einen Spaziergang machen, um die Muskulatur zu lockern. Im Geburtsvorbereitungskurs hatten wir gelernt, laut zu schreien und intensiv zu atmen, wenn eine Wehe kam. Bis dahin hatte ich jedoch nicht sonderlich den Impuls dazu. Als wir wieder zurück waren, wurde ich dann aber doch lauter, weil ich dachte, das würde vielleicht helfen. Langsam wurden die Wehen immer stärker. Mein ganzer Körper zitterte, bis ich an den Punkt kam, vor Schmerz zu weinen und am liebsten aus dem Fenster gesprungen wäre. Als die Hebamme jedoch die Öffnung des Muttermundes betrachtete, schien sie nicht sehr ermuntert. Sie sagte, dass es wohl noch dauern würde. Also weitermachen. Schreien, atmen, auf einem Ball hüpfen, atmen, schreien, liegen, sitzen, schreien. Ich war nun bereits 15 Stunden auf den Beinen und ich fiel in einen Zustand völliger Übermüdung, gepaart mit Stromschlägen im 2-Minuten-Takt, die meinen gesamten Körper durchfuhren.

Doch auf einmal wurde ich still. Ganz still. Ich gab nur noch ein leichtes Wimmern von mir, wenn die Wehe kam. Ein einziges Wort kreiste in meinem Kopf. Entspannen. Zwischen den Wehen war das kein Problem, aber während einer Wehe Muskeln zu entspannen, ist schon schwieriger. Ich lenkte also all meine Aufmerksamkeit in jeder Wehe auf das Lockerlassen meiner Muskeln. Der Schmerz verschwand aus meiner Wahrnehmung. Es existierte nur noch der Gedanke und der Wille, alle Muskeln meines Körpers zu entspannen. Die Hebamme kam wieder zu mir und sagte, dass ich wohl lieber noch mal einen Spaziergang machen sollte, denn die Wehen würden augenscheinlich schwächer. Zur Kontrolle legte ich mich erneut aufs Bett und sie sah nach der Öffnung des Muttermundes. Völlig erstaunt und ungläubig sah sie mich an: Wir seien auf dem besten Weg, lange könne es nicht mehr dauern. Und tatsächlich, eine halbe Stunde später war meine Tochter endlich da und alles war vergessen.

Ich hatte sicher keine Bilderbuchgeburt wie sie im HypnoBirthing gelehrt wird. Doch dieses Erlebnis hat mich weitreichend geprägt und spätestens bei der nächsten Geburt werde ich noch sicherer mit der Situation umgehen können. Es ist sicher hilfreich, einen Kurs zu besuchen, der auf eine schmerzfreie Geburt vorbereitet. Letztlich kommt es jedoch auf die eigene Einstellung an: Bin ich überzeugt davon, eine komplikationsfreie Geburt zu haben? Bin ich ein grundsätzlich ängstlicher Typ oder vertraue ich auf die Kraft meiner Weiblichkeit? Der Glaube an unsere Fähigkeiten muss tief in uns sein, um die volle Kraft entfalten zu können.

Folgendes Buch möchte ich zu diesem Thema empfehlen:

HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt: Die Mongan-Methode von Marie F. Mongan

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