Ich konnte nicht stillen

Das Stillen ist ein hochkomplexer Akt des Körpers. Auch wenn Studien besagen, dass 90% der Frauen stillen können, sehen die realen Zahlen anders aus. Für den Milcheinschuss sind die ersten Minuten nach der Geburt sowie die Geburt selbst von großer Bedeutung. Durch einen Kaiserschnitt und die dadurch nicht vorhandenen Hormone im Körper wird der Milcheinschuss sehr erschwert. Zwei Hormone sind maßgeblich am Stillvorgang beteiligt: Das Milchbildungshormon Prolaktin, das die Milchbildung fördert und das Milchspendehormon Oxytocin, das für die Entleerung der Brust, für den Milchtransport und für Wohlbefinden im Körper der Frau sorgt und so die Bindung zum Kind nach einer stressigen Geburt stärkt.

In den ersten ein bis zwei Lebensstunden des Neugeborenen beginnt es, nach der Brust der Mutter zu suchen. All seine Sinne sind auf die erste Nahrungsaufnahme gerichtet: sein stark ausgeprägter Geruchssinn sowie das rudimentäre Augenlicht, das es ermöglicht, Hell-Dunkel-Kontraste wahrzunehmen steuern es auf dem Weg zur Muttermilch. Erst durch das erste Saugen des Neugeborenen werden die nötigen Hormone im Körper der Frau freigesetzt und der Milcheinschuss gefördert. Dazu ist auch der Hautkontakt zwischen Mutter und Kind sehr wichtig.

Noch immer gibt es jedoch Hebammen und Krankenhäuser, in denen das Stillen entweder nicht so angesehen ist oder man sich der kleinen Gesten in den ersten Minuten nach der Geburt nicht bewusst ist. So werden viele Neugeborene noch immer als erstes gewaschen, gewogen und gemessen, bevor sie der Mutter an die Brust gelegt werden. Anschließend gibt es viele Hebammen oder Krankenschwestern, die frisch gebackene Mütter verunsichern, indem sie deutlich machen, das Kind bekäme zu wenig Milch und könnte nicht gut ernährt werden. Die psychische Komponente bei der Frau spielt eine große Rolle, ob das Stillen gelingt oder der Milcheinschuss in den ersten Wochen stagniert.

Was immer dazu führt, dass eine Frau nicht stillen kann oder nicht möchte, sollte nie als Vorwurf gegen sie gerichtet werden oder Schuldgefühle in ihr auslösen. An erster Stelle steht, dass sich Mutter und Kind wohlfühlen. Und so ist es für beide besser, wenn das Kind durch die Flasche ernährt wird, als das die Mutter wochenlang Qualen erleidet oder aus welchen Gründen auch immer sich nicht mit dem Stillen anfreunden kann.

Alle werdenden Mütter, die stillen möchten, sollten sich auf jeden Fall vor der Geburt in dem Krankenhaus oder Geburtshaus ihrer Wahl erkundigen, wie man mit dem Stillen und mit Kind und Mutter nach der Geburt umgeht, um den Milcheinschuss möglichst problemfrei zu unterstützen. Auch sollte man diesbezüglich ausführlich mit der Hebamme sowie dem Partner sprechen, damit alle wissen, wie sich die Frau die Minuten nach der Geburt vorstellt.

Wenn der Partner und die Hebammen für dieses Thema sensibilisiert sind, steht dem Stillen in aller Regel nichts im Weg!

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